Am 17. Januar 2007 traf der Orkan Kyrill das Sauerland mit voller Wucht. In Nordrhein- Westfalen beliefen sich die Sturmschäden auf ca. 20 Millionen Festmeter, wovon 1,9 Millionen Festmeter allein im Märkischen Kreis anfielen. Riesige Waldflächen wurden in wenigen Stunden vernichtet. Die mit labilen Fichten bestockten Bestände waren am stärksten betroffen. Die riesigen Holzmengen zügig aufzuarbeiten und zu vermarkten, war eine logistische Herausforderung für die Forstwirtschaft. Borkenkäfer- und Pilzbefall des Holzes musste vermieden werden. Das Holz wurde durch Nasslagerung über mehrere Jahre konserviert. Dies war ein wirksamer Puffer gegen den Preisverfall und die Holzqualität blieb weitgehend erhalten. Nach einem Jahr waren 85% der Sturmschäden behoben und die ersten Wiederbewaldungsmaßnahmen wurden durchgeführt. Für Waldbesitzer und Bewohner dieser Gegend ist das Sturmereignis eine Katastrophe, doch es ist auch Neubeginn und Chance für die Waldentwicklung. Der Stadtwald von Werdohl nutzt diese Chance und setzt für die nächste Waldgeneration auf die Vielfalt der autochthone standortheimischen Laubhölzer, denn neben seiner Nutzfunktion hat der Wald in Werdohl auch noch weitere wichtige Aufgaben.

Wasser- und Erosionsschutz

Der Wald reinigt als natürlicher Filter die versickernden Niederschläge und sorgt für reines Quell- und Grundwasser. Er beeinflusst den Wasserabfluss entscheidend, denn die Baumkronen fangen bis zu 15% des jährlichen Niederschlages auf. Dieser verdunstet in Nadeln und Blättern und kommt damit nicht auf den Boden. Zusätzlich nehmen die Bäume Wasser über die Wurzeln auf und verdunsten sie wieder über Nadeln und Blätter. Versuche haben nachgewiesen, dass es dadurch zu einer erheblichen Verminderung des Oberflächenabflusses kommt. Zugleich kann der Waldboden - ähnlich wie ein Schwamm - große Niederschlagsmengen speichern, die dann erst zeitlich verzögert wieder abgegeben werden. Der Wald wirkt so ausgleichend auf den Wasserabfluss. Die bodenbildende und bodenhaltende Kraft des Waldes an den steilen Hängen Werdohls schützt die Siedlungen, Verkehrswege und die landwirtschaftlichen Flächen im Tal und hat durch ihre erosionsmindernde Wirkung einen erheblichen Einfluss auf die Stabilität des Gesamtökosystems.

Artenschutz und Biodiversität

Heimische Laubmischwälder sind wertvolle Lebensräume für viele seltene Tier- und Pflanzengesellschaften, die durch die artenarmen und bodenversauernden Fichtenforste verdrängt wurden. Leider können die Windwurfflächen des Werdohler Stadtwaldes diese Funktionen momentan nicht mehr erfüllen und es ist sehr wichtig, möglichst schnell einen stabilen Mischbestand aufzubauen.

Aufgaben des Bergwaldprojektes

Ein Jahr nach dem verheerenden Sturm Kyrill, im Frühjahr 2008, fand der erste Einsatz mit dem Bergwaldprojekt e.V. statt. Und immer noch, fünf Jahre nachdem die ersten Arbeiten begonnen haben werden noch viele helfende Hände für die Entwicklung eines stabilen Waldes benötigt.

Pflanzung

Die natürliche Waldentwicklung benötigt, aufgrund der fehlenden Samenbäume, mehrere hundert Jahre, bis sich die potenzielle natürliche Vegetation wieder einstellt. Um diesen Vorgang zu beschleunigen und möglichst bald ein funktionsfähiges Ökosystem aufzubauen, greift die Forstwirtschaft ein und pflanzt die autochthonen Baumarten an. Dazu zählen Rotbuche, Hainbuche, Traubeneiche, Vogelkir- sche, Elsbeere, Bergulme, Spitzahorn, Bergahorn und Sommerlinde. Der Standort (Klima, Lage und Boden) gibt die lokale Baumartenzusammensetzung vor. Am trockenen Oberhang werden wärmeliebende Arten, wie z.B. Elsbeere und Kirsche gepflanzt, in den unteren Talbereichen wird z.B. der Bergahorn gesetzt, der auf frischere Standorte angewiesen ist. Die jungen Bäume werden nicht flächendeckend gepflanzt, sondern gruppenweise eingebracht. Die Naturverjüngung (z.B. Birke, Eberesche, Weide) wird in die Pflanzfläche integriert. Die Freiwilligen des Bergwaldprojektes pflanzten bisher mehr als 10.000 Bäume zwischen den Wurzeltellern auf den Kahlflächen. Zum Teil mussten, die beim Wild besonders beliebten Baumarten, noch durch Einzelschutzmaßnahmen vor Verbiss geschützt werden.

Pflege

Jungbestandspflege zählt neben der Pflanzung zu den wichtigen Arbeiten im Werdohler Stadtwald. Mischbestände mit Lärchen, Bergahorn, Buchen und Birken, die vor 20-30 Jahren gepflanzt wurden, werden gepflegt.