Zwischen Mosel und Rhein, östlich von Trier liegt der Ort Morbach am Fuße des Idarwaldes, eines bewaldeten Höhenrückens des Hunsrück- Hauptkammes.

Das Bergwaldprojekt veranstaltet hier seit 2012 Einsatzwochen, die ganz der Wiedervernässung von Mooren gewidmet sind. Das Natur- schutzgebiet (NSG) „Hangbrücher“ bei Morbach ist Schauplatz dieser Maßnahmen.

Es beherbergt eine Vielzahl kleinflächiger Quell- und Hangmoore, die über ihren Wasserhaushalt eng miteinander verbunden sind und die sich mosaikartig mit anderen, teils ebenfalls vom Wasser geprägten oder Biotopen wie Moorwäldern oder Bruchwäldern abwechseln. Mit einer Fläche von 739 ha würdigt das NSG an der Nordwestabdachung des Idarwaldes nicht nur die Hang- und Quellmoore selbst, sondern einen ganzen Biotopverbund, in dem die angrenzenden alten Laubwälder, Borstgrasrasen, Moorheiden und selbst naturferne Fichtenforste bezüglich ihres Entwicklungspotenzials und ihrer Bedeutung für den Wasserhaushalt der Moore berücksichtigt werden. Die Bezeichnung „Bruch“ ist ein historischer, lokaltypischer Ausdruck für feuchte bis moorige Bereiche. Besonderes Merkmal dieser atlantisch beeinflussten Mittelgebirgs-Hangmoore ist ihre große Hangneigung. Diese bewirkt auch die große Anfälligkeit dieser Biotope gegenüber menschlichen Eingriffen.

Moore: Urzustand und Degradation

Im ungestörten Zustand sickert das Wasser in diesen Mooren langsam und kontinuierlich, dem Hangverlauf folgend, durch die bis zu 2m mächtigen Torfschichten, die sich hier in den letzten 4000 Jahren entwickelt haben. Durch die schwammgleiche Wasserhaltefähigkeit von Torf und Torfmoosen bleiben die Böden permanent wassergesättigt, was die charakteristischen ökologischen Extrembedingungen von Mooren ausmacht: Luftabschluss im Boden und nährstoffarme Verhältnisse rufen Überle- benskünstler wie Moosbeere, Scheidiges Wollgras oder Sonnentau auf den Plan und hemmen Zersetzungsprozesse, so dass aus organischen Abfällen sukzessive Torf entsteht.

Nährstoffarmes Wasser dringt aus Klüften des Quarzit- Grundgesteins und der darüber gelagerten eiszeitlichen Schotterdecken (Quellmoore), oder es fließt, Quellen oder Niederschlägen entstammend, als sog. Hang- wasser entlang einer stauenden Mineralbodenschicht im Torfkörper ab (Hangmoore) – natürlicherweise auch hier wieder diffus, sickernd und weitgehend unsichtbar.

Der Mensch hat dieses natürliche Wasserregime im Moor durchbrochen, indem er Moorkörper bei Wegebaumaßnahmen durchschnitt und das Wasser in Durchlässen konzentrierte – Die Ausbildung von Erosionsgräben, sprich: der kanalisierte, beschleunigte Wasserablauf ist die Folge. Teils wurde – zuletzt in der Nachkriegszeit – auch versucht, Flächen durch gezielte Anlage von Entwässerungsgräben trocken zu legen, um sie in Kultur nehmen – also aufforsten - zu können.

Erosions- und Entwässerungsgräben im Torf tiefen sich bei größerer Hangneigung mit der Zeit immer weiter ein und entwässern immer tiefere Bereiche

des Torfkörpers. In Folge dessen ist dieser dem Luftsauerstoff ausgesetzt und der Zersetzung preisgegeben. Dadurch büßt er seine Wasserhaltefähigkeit ein und setzt eingelagerte Nährstoffe und C02 frei. Die extremen Lebensbedingungen in den Flächen relativieren sich dadurch, konkurrenzstärkere, nicht spezialisierte Arten wandern ein und verdrängen schließlich die schützenswerten, weil spezialisierten und seltenen Arten.

Wiedervernässung

Die ebenso aufwändige wie alternativlose naturschutzfachliche Antwort auf diese Veränderungen heißt Wiedervernässung: Quer zu den Gräben wird der Torf aufgegraben, und hölzerne Spundwände im Boden errichtet. Das verlangsamt den Wasserstrom, bricht die erodierende Kraft des Wassers und staut dieses oberhalb der Bauwerke im Boden zurück. Teile des Torfes gelangen wieder unter Luft- abschluss, Wachtumsbedingungen für Torfmoos & Co verbessern sich, die Torfzersetzung wird gestoppt. Die Verbauung von Entwässerungsgräben in Mooren hat beim Bergwaldprojekt lange Tradition: bereits Anfang der 90er Jahre wurde im Harz unsere Moorverbauungs- Methode entwickelt und seitdem unter verschiedensten Bedingungen in Hoch- und Übergangsmooren der Mittelgebirge und der Alpen weiter verfeinert. Aber es ist nicht nur diese Erfahrung, die uns für die Umsetzung vieler Maßnahmen in den Hunsrücker Mooren prädestiniert: Schon die Unmöglichkeit, auf sensiblen Moorböden schwere Maschinen einzusetzen, verpflichtet zur Handarbeit. Und viele Hände können viel bewegen!