Der Forstbetrieb Oberammergau

reicht vom Wettersteingebirge bis zum Hohen Peißenberg, und von Neuschwanstein bis ins Loisachtal. Große geschlossene Waldgebiete sind Lebensraum für viele Tiere und Pflanzen. Wegen der besonderen Qualität der Wälder wurden große Flächen, mit dem Ammergebirge ein ganzer Gebirgsstock, als Naturschutzgebiete ausgewiesen. In jüngerer Zeit gibt es immer wieder Initiativen diese Bereiche zum Nationalpark zu erklären, da sie eine hohes Maß an Naturnähe aufweisen.

Die Schutzfunktion des Bergwaldes

Die Wälder an den Berghängen haben heute, in einer von Wetterextremen geprägten Zeit, wichtige Funktionen für das Ökosystem vor Ort zu erfüllen.

Boden-Erosionsschutz

Fehlt der schützende Bergmischwald, so hat dies neben der lokalen Gefährdung von Siedlungen, Verkehrswegen und Wiesen auch einen erheblichen Einfluss auf die Stabilität des Gesamtökosystems. Ohne die bodenbildende und bodenhaltende Kraft des Waldes wären die Gebirgsregionen um Oberammergau auf weiten Flächen nichts als blanker Fels und Schutt. Steinschlagschutzwälder halten, durch ihren hohen Laubholzanteil und einem dichten Unterholz aus jungen Bäumen und Sträuchern, Steinschlag am besten zurück.

Lawinenschutz

Der Bergwald kann Lawinen verhindern oder mildern. In nadelholzreichen Wäldern, mit 1/3 Laubholzanteil, wird ein großer Teil des Schnees im Kronendach zurückgehalten. Von dort verdunstet er zum Teil wieder oder fällt verzögert auf den Boden. Die Schneedecke wird so lokal zusammengepresst und stabilisiert. Das ausgeglichene Waldklima verhindert, dass sich großflächige labile Schichten in der Schneedecke („Schwimmschnee“) bilden. Im Anrißgebiet von Lawinen wird die Schneedecke durch eine dichte, gleichmäßig verteilte Bestockung festgehalten. Nur geschlossene Wälder mit einer unregelmäßigen und ungleichartigen Struktur können den Lawinenschutz gewährleisten. Deshalb ist eine ungestörte Entwicklung der Verjüngung von entscheidender Bedeutung. Allerdings kann auch ein intakter Schutzwald Lawinen nicht aufhalten, die über der Waldgrenze anbrechen. In den Wald eindringende Fließlawinen können Bäume mit 30cm Durchmesser, Staublawinen sogar Bäume bis über 60cm Durchmesser brechen. Die Schutzwirkung des Waldes liegt also vorwiegend in seiner Fähigkeit das Abgehen von Lawinen zu verhindern.

Wasserschutz

Der Wald reinigt als natürlicher Filter die versickernden Niederschläge und sorgt für reines Quell- und Grundwasser. Der Bergwald be- einflusst das Abflussgeschehen. Die Baumkronen fangen bis zu 15% des jährlichen Niederschlages auf. Dieser verdunstet in Nadeln und Blättern und kommt damit nicht auf den Boden. Darüber hinaus nehmen die Bäume Wasser über die Wurzeln auf und verdunsten sie wieder über Nadeln und Blätter. Versuche haben nachgewiesen, dass es dadurch zu einer erheblichen Verminderung des Oberflächen- abflusses kommt. Zusätzlich kann der Waldboden - ähnlich wie ein Schwamm - große Niederschlagsmengen speichern, die dann erst zeitlich verzögert wieder abgegeben werden. Der Wald wirkt so ausgleichend auf den Wasserabfluss und die Erosionskraft des Wassers wird gebremst. Dieser positive Effekt des Bergwaldes wirkt bis weit ins Alpenvorland hinaus.

Ettal, Oberammergau, Farchant

Seit 2001 arbeitet das Bergwaldprojekt im Forstbetrieb Oberammergau (Bayerische Staatsforsten) am Rande des Murnauer Mooses. Das Moos ist das größte intakte Moor in Deutschland und wird von Kalkwasser durchströmt. Ein Gemeinschaftsprojekt der Ämter für Land- und Forstwirtschaft in Murnau, dem Forstbetrieb Oberammergau, Bayerische Staatsforsten, im Schutzwaldsanierungsgebiet am Ettaler Mandl findet seit 2010 statt.

Pflanzung

Eine Bestockung der Steillagen ist von großer Bedeutung, um den Hang vor Erosion zu schützen. Durch Pflanzung und Naturverjüngung, aufgrund zu hoher Wildbestände häufig im Zaun, soll ein artenreicher Bestand aus Laub- und Nadelholz aufgebaut werden. Die Pflanzen sind autochthon, also standortsheimisch und an Klima, Lage und Boden angepasst.